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Kurzgeschichte "Heimkehr" von Franz Kafka - Referat



Analyse
Die von dem literarisch expressionistischen Vertreter Franz Kafka(1883-1924) verfasste Parabel „Heimkehr“ aus dem Jahre 1920 thematisiert ein fremdes Gefühl im ehemaligen zu Hause.
Der Expressionismus ist eine andere Art zu Denken und seine inneren Gefühle zum Ausdruck zu bringen, welche eine wichtige Rolle spielen. Es geht um die Betrachtung des menschlichen Individuums, welcher in dieser Parabel thematisiert wird.
Der Protagonist, der Sohn, kehrt zurück in seine alte Heimat auf den alten Hof seines Vaters, worauf der Titel bereits hinweist. Außerdem vermittelt der Titel positives Gefühl, welcher sich dann im Laufe des Lesens ändert.
Im ersten Abschnitt (Z.1-4) ist man sofort in der Handlung und es wird die Umgebung, der alte Hof seines Vaters, in der Ich-Form als verwahrlost und heruntergekommen beschrieben, „alt“ (Z.2), „unbrauchbar[…]“ (Z.2).
Besonders gut werden die Gefühle des Sohnes an einer Metapher offenbart. „Die Pfütze in der Mitte“ (Z.2) stellt ein Hindernis für ihn dar. Es bringt Schwierigkeiten an ihr vorbeizukommen und in das Haus hineinzutreten, um mehr Geborgenheit zu erlangen. Außerdem zeigt sie, dass es vor kurzem geregnet hat was die Grundstimmung sofort senkt, sie ist bedrückend und melancholisch. Kafka benennt die Pfütze nicht als „eine Pfütze“, sondern als, „Die Pfütze“ (Z.2), was aufweist, dass sie wohl schon sich wohl schon früher immer in der Kuhle im Boden gebildet hat. Dieses Loch, in dem sich das Regenwasser sammelt, könnte auch eine Andeutung auf eine Leere in seinem Leben sein.
Es fällt auch auf, dass der Satz plötzlich parataktisch eingeschoben ist, als ob es ein Wiedererkennungsmerkmal hervorheben soll. Es könnte auch plötzlicher Zeitdruck sein, da es ihn daran erinnern könnte, wie schnell oder wie viel Zeit seither vergangen ist, seitdem er das letzte Mal bei dem Haus gewesen ist.
Auch die lauernde Katze (vgl.Z.3) bestätigt dies. Es zeigt, dass die Katze sich nicht mehr an ihn erinnert und gleichzeitig bringt lauern auch immer etwas Zeitdruck mit sich, was in ihm natürlich ein ungutes Gefühl erweckt. Als nächstes weckt ein „zerrissenes Tuch“ (Z.4) Erinnerungen in ihm, „einmal in einem Spiel um eine Stange gewunden“(Z.4). Es sind positive Erinnerungen aus seiner Kindheit. Die Tatsache, dass es noch dort hängt, zeigt wieder, dass in diesem Haus lange nichts mehr gemacht wurde, ist aber andererseits auch ein Zeichen dafür, dass zum Mindestens sein früheres Ich an diesen Ort gehört. Das Tuch „hebt sich im Wind“ (Z.5) als ob sie leicht wären, ganz unklar und vom Wind verweht werden.
Der nun wechselnde personale Erzähler weist die Zweifel und Unsicherheit in ihm auf (vgl. Z.5-11). Das liegt auch an den vielen Hypotaxen, die nun verwendet werden. Es ist auch ein Wendepunkt in der Parabel, da die Heimkehr jetzt nicht mehr von außen, sondern aus der Innensicht des Protagonisten beschrieben wird. Die auffällig vielen Adjektive „zurückgekehrt“(Z.1), „durchschritten“(Z.1), blicke[n] (Z.1), die Kafka verwendet zeugen von viel Aktion, aber wenig aktiver Handlung.
Seine Zweifel sind auch an den zwei aufeinanderfolgenden rhetorischen Fragen zu erkennen (Z.5-6). Er fragt nach Personen, weil beide Fragen mit „Wer“ eingeleitet werden, die Fragen finden allerdings nur in seinen Gedanken statt. Es gibt keine Anzeichen wie etwa Anführungszeichen, die eine wörtliche Rede in Betracht ziehen würden. In seinem kleinen Monolog antwortet er auch auf die Fragen und bestätigt die geahnten Zweifel, „ich weiß es nicht, ich bin sehr unsicher“ (Z.7-8).
Das Landhaus, sich, der Rauch der aus dem Schornstein kommt (vgl.Z.6) und „der Kaffee zum Abendessen“ (Z.5) sind Gewohnheiten, die eigentlich ein gemütliches und behagliches Gefühl vermitteln, doch diese schönen Handlungen geschehen ohne ihn. Er fühlt sich dieser Gesellschaft nicht zugehörig und möchte sie nicht bei ihren Angelegenheiten unterbrechen (vgl.Z.9).
Der Schornsteinrauch zeugt außerdem von Leben und Wärme im Inneren und steht somit im Wiederspruch zur Grundstimmung und dem Rest des Hauses, wie der Sohn es zu Anfang beschreibt. Außerdem zieht er einen Vergleich. Der Sohn sagt zwar, dass es sein zu Hause war, „Meines Vaters Haus ist es“ (Z.8), doch trotzdem ist es ihm fremd und „kalt“ (Z.8). Das trägt wohl auch dazu bei, warum er zögert, an die Küchentür zu klopfen, „ich wage nicht“ (Z.11) um einen Distanz zwischen ihm und den Anwesen zu setzen, „von der Ferne horche ich“ (Z.12). Das Wort „horchend“ wiederholt sich mehrmals in verschiedenen Varianten. Wahrscheinlich passiert in dieser Zeit nichts anderes, worüber er berichten könnte, bis auf den „leichten Uhrenschlag“ (Z.14). Schon wieder gibt es eine Andeutung auf die Zeit, doch
nun drängelt sie nicht mehr, so wie bei dem Lauern. Langsam findet sich das lyrische Ich mit dem Altern ab und erinnert sich zurück. Diesmal nicht an seine Kindheitserinnerungen, sondern an seine Jugend, „herüber aus den Kindertagen“ (Z.15), in der er das Haus verließ.

Der Sohn nimmt immer mehr Abstand und Distanz zum Haus und zu den damit verbundenen Erinnerungen, wobei der Wechsel des Erzählers in einen auktorialen dazu beiträgt. Die Parabel wird weitererzählt, als ob es um jemand anderen ginge, als um ihn, „man“ (Z.16-17). So geht der Autor auch in die Verallgemeinerung und gibt den Lesern seine Erfahrung preis, was typisch für Parabeln ist, „Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man“ (Z.16-17).
Anscheinend sind dort Leute, die er eigentlich mag, doch er ist viele Jahre weggewesen und weiß nichts mehr von ihnen, „jedes mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, die ich […], teils niemals kannte“ (Z.10). Dies könnte das Geheimnis sein, das am Ende nochmals aufgegriffen wird (vgl. Z.18). Diesmal redet der Protagonist aber von sein[em] Geheimnis (Z.18), also dass er das, was er in dieser Zeit erlebt hat, lieber für sich behalten will.
Naheliegend ist auch, dass der Sohn ein in den Krieg gezogener Soldat ist, wenn man die Entstehungszeit um 1920 betrachtet. Auch das Alter des Verlassen des Hauses, deutet darauf hin und würde auch erklären, warum er diese „Angelegenheiten“ nicht gerne teilen möchte.
Schließlich betritt er Haus nicht. Kafka schreibt lediglich im Konjunktiv „wäre“(Z.8,17) und beschreibt somit eine Vorstellung die nur im Inneren des Sohnes stattfindet und welche durch das Betreten des Anwesens begonnen hat. Trotzdem wird in keinem Satz erwähnt, dass er die Türschwelle übertritt. Er kommt an (Z.5) und am Ende befindet er sich immer noch vor der Tür (Z.16). Er steht immer noch draußen und zögert hineinzugehen, weil ihm alles fremd ist und er in die ganzen vergangenen Zeit zu viel verpasst hat.
Das Ende bleibt offen, doch nach der Aussage, „Je länger man vor der Tür zögert, desto fremder wird man“ (Z.16-17), tendiert die Handlung aber dahingehend, dass der Sohn nicht mehr klopfen wird, da seine unmutigen Gefühle sich nicht zum Positiven wandeln, im Gegenteil.
Besonders der Vater spielt eine wichtige Rolle, da es sein Anwesen ist (vgl. Z.2) und auch später wird er nochmal erwähnt (vgl. Z.11). Kafka selbst hatte einen Konflikt mit seinem Vater, welcher auch in dieser von ihm geschrieben Parabel eine Parallele zu seinem Leben darstellt. Womöglich hat er auch im wahren Leben keine Lösung gefunden, um die Beziehung zu verbessern, womit das offene Ende zu erklären wäre. Jedoch sieht er keine Hoffnung und gibt eine Tendenz zu einem doch recht traurigen Ende, lässt aber eine sehr geringe Chance einen Umschwung.
Die Heimkehr entwickelt sich anders, als der Titel es am Anfang verheißt. Man erfährt nicht, ob die Familie wirklich so denkt, wie er es vermutet. Da nichts darauf hinweist, würde es ein deutlich positiveres Ende geben, wenn er sich doch getraut hätte.
Seine frühere Heimat ist ihm jetzt fremd geworden. Das lyrische Ich also nicht richtig heimkehren, da er bei kurz nach der Ankunft einen Rückzieher macht. Aktiv kehrt er zwar heim, mental aber nicht. Die Umstände und das fremde Gefühl, das in ihm aufkommt, lassen es nicht zu.



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